Gesetzliche Rente muss Milliardendefizit hinnehmen

Die gesetzliche Rentenversicherung musste im vergangenen Jahr ein Defizit von 2,2 Mrd. Euro hinnehmen. Demnach hat die Rentenkasse in 2016 insgesamt 280,5 Mrd. Euro aus Beiträgen und Steuerzuschüssen eingenommen und 282,7 Mrd. Euro ausgegeben. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf die Deutsche Rentenversicherung Bund. Allerdings verfüge diese noch über eine Nachhaltigkeitsrücklage von 32,4 Mrd. Euro.

“Diese Entwicklung ist nicht Ausdruck einer schlechten Lage der Rentenversicherung, sondern Folge des gesetzlich vorgegebenen und geplanten Abbaus der Rücklagen”, wird die Rentenversicherung zitiert. Allerdings geht die Sozialkasse laut Bericht davon aus, dass das bestehende Finanzpolster ausreichen wird, um zumindest bis zum Jahr 2021 ohne Erhöhung des Beitragssatzes auszukommen. Hintergrund sei die gute Beschäftigungslage.
Zum Vergleich: 2014 hatte die Rentenversicherung noch einen Überschuss von 3,16 Mrd. Euro erzielt. 2015 rutschte sie dann mit 1,59 Mrd. Euro in die roten Zahlen. Den Grund für das Minus sieht das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor allem im Rentenpaket der Großen Koalition. Die Ökonomen beziffern allein die Ausgaben für die Mütterrente im Jahr 2015 laut einem Bericht von Spiegel Online auf 6,8 Mrd. Euro sowie in 2016 auf 7,1 Mrd. Euro. Die Kosten für die Rente mit 63 seien dagegen mit 480 Mio. Euro im Jahr 2015 und 820 Mio. im Jahr 2016 vergleichsweise gering ausgefallen.

Immer mehr Menschen droht Altersarmut

Gleichzeitig droht immer mehr Menschen die Altersarmut, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt. Demnach seien vor allem alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Niedrigqualifizierte das Risiko am höchsten, im Alter arm zu werden.

Bei alleinstehenden Frauen steige die Grundsicherungsquote zwischen 2015 und 2036 von 16 auf fast 28 Prozent, so die Studienautoren. Gleichzeitig wachse die Grundsicherungsquote bei Langzeitarbeitslosen von 19 auf 22 Prozent, bei Menschen ohne Berufsausbildung von 10 auf 14 Prozent.

Zudem verzeichneten die Experten auch starke regionale Unterschiede bei der Entwicklung der Grundsicherungsquote zwischen Ost- und Westdeutschland. Während sich die Quote für Neurentner aus den ostdeutschen Bundesländern bis 2036 von fünf auf elf Prozent mehr als verdoppeln werde, steige sie in den westdeutschen Bundesländern hingegen “nur” leicht von 5,5 auf sechs Prozent.

Die Gründe für diese Entwicklung führt Christof Schiller, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, vor allem auf die Umbrüche am ostdeutschen Arbeitsmarkt seit den 1990er Jahren zurück. Mit der Politik geht er zudem hart ins Gericht: “Die aktuellen Reformdebatten gehen oft an der Wirklichkeit vorbei und lösen kaum die grundlegenden Ursachen der Altersarmut. Diskussionen um eine Stabilisierung des Rentenniveaus helfen Risikogruppen nicht weiter, die schon während ihrer Berufsjahre nur schlecht von ihrem Gehalt leben können.”

Neugeborene leben immer länger

“Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Rentensystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen”, ergänzt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Nicht ganz zu Unrecht, schaut man auf die aktuellen Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Setzt sich der Trend zu einem immer längeren Leben fort, dann könnten 2017 geborene Jungen durchschnittlich bis zu 90 Jahre, Mädchen bis zu 93 Jahre alt werden, rechnen die Statistiker auf der Basis von Modellrechnungen für Kohortensterbetafeln der Geburtsjahrgänge von 1871 bis 2017 vor. Auf der Basis der niedrigeren Variante würde die durchschnittliche Lebenserwartung für heute geborene Jungen 84 Jahre und für Mädchen 88 Jahre erreichen, so Destatis weiter.

Zum Vergleich: Nur etwa 54 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen, die 1917 geboren wurden, seien mindestens 65 Jahre alt geworden, erläutern die Statistiker. Von den Neugeborenen in diesem Jahr könnten dagegen bis zu 95 Prozent der Jungen und 97 Prozent der Mädchen dieses Alter erreichen. Zudem könnten immer noch rund 62 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen mindestens 90 Jahre alt werden. Eine Chance 100 Jahre alt zu werden, bei den heute geborenen Jungen bei 17 Prozent und den Mädchen gar bei 22 Prozent.

Quelle: Versicherungswirtschaft heute (27.06.2017)
 
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